Manipulation bei LIBOR-Zinssätzen in großem Umfang

Für Banken besitzt der LIBOR-Zinssatz überragende Bedeutung: Zu diesem Zinssatz leihen sich Banken gegenseitig Geld und zwar von sehr kurzfristigen (Overnight-)Krediten bis hin zu Darlehen mit einjähriger Laufzeit. LIBOR-Zinssätze werden für den weltweiten Interbankenhandel in zehn Währungen für insgesamt fünfzehn verschiedene Laufzeiten berechnet.
Der LIBOR spielt als Referenzzins auch bei Finanzprodukten für Firmen- und Privatkunden eine herausragende Rolle, weil er Bankgeschäften von traditionellen Darlehen bis hin zu hoch komplizierten Finanzinnovationen zugrunde gelegt wird.

Deswegen ist es für einen ordnungsgemäß funktionierenden Finanzmarkt ohne Wettbewerbsverzerrungen von immenser Wichtigkeit, dass es bei der Berechnung des LIBORs zu keinerlei Manipulationen kommt.
Aber genau dies wirft die amerikanische Börsenaufsicht SEC Bankenriesen wie der Bank of America, UBS, Barclays und der Citygroup vor. Sie sollen durch absichtliche Falschmeldungen die LIBOR-Zinssätze bewusst beeinflusst haben. Dies ist verblüffend einfach: Die Kreditinstitute melden der BBA (The British Banker’s Association) täglich die von ihnen geleisteten LIBOR Zinsen. Ohne die Daten zu überprüfen, führt die BBA auf dieser Basis die Berechnung der LIBOR-Sätze durch. Um Ausreißer nach unten und nach oben zu eliminieren, werden jeweils die höchsten und niedrigsten gemeldeten Zinssätze nicht in die Berechnungen mit einbezogen. Kritiker fordern schon lange eine Änderung dieses Verfahrens, um es vor manipulativen Eingriffen zu schützen.

Sollte die SEC tatsächlich mit ihren Ermittlungen Erfolg haben, dürfte neben der berechtigten Empörung von Öffentlichkeit und Bankkunden auch der Schaden für die manipulierenden Banken groß sein: Sie müssen dann nicht nur mit einer Beschädigung ihres guten Rufes, sondern auch mit Geldstrafen in erheblicher Höhe rechnen.

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