Die amerikanische Rating-Agentur Moody’s sah sich gezwungen, die Bonität von insgesamt 30 spanischen Kreditinstituten herab zu stufen. Dies schätzte Moody’s als erforderlich ein, weil nicht davon ausgegangen werden könne, dass die spanische Regierung im Falle der drohenden Insolvenz bereit wäre, alle betroffenen Banken zu retten. Nicht herab gesetzt wurde die Bewertung der Kreditwürdigkeit der drei größten spanischen Banken (Banco Santander, BBVA und La Caixa).
Aufgrund der katastrophalen Situation seiner Staatsfinanzen ist Spanien wahrscheinlich auch gar nicht in der Lage, notleidende Kreditinstitute im erforderlichen Umfang zu unterstützen: Nach Irland und Griechenland besitzt Spanien mit 9,2 % das dritthöchste Haushaltsdefizit im Euro-Raum. Zu Beginn des Monats hat Moody’s deswegen die Bonitätsbewertung für den spanischen Staates schon auf die Note Aa2 herab gesetzt.
Begonnen hat die wirtschaftlichen Krise mit dem Platzen einer Immobilienblase - ähnlich wie in den USA. So sanken die Preise für Immobilien seit dem Jahr 2007 um rund 10%. Besonders schwer getroffen wurde Spanien von diesem Einbruch, weil die spanische Wirtschaft in hohem Maße abhängig von der Baubranche ist.
Der Niedergang dieses Wirtschaftszweigs hat Spaniens zweites großes volkswirtschaftliches Problem noch verschärft: Mit zwanzig Prozent ist rund ein Viertel der Spanier im erwerbsfähigen Alter ohne Beschäftigung.
Als Folge dieser Krise können immer mehr Unternehmen und Verbraucher aufgenommene Darlehen nicht mehr tilgen. Experten sprechen davon, dass rund sechs Prozent aller Bankenkredite oder eine Gesamtkreditsumme von 110 Milliarden Euro von Ausfällen bedroht sind.
Die spanische Regierung hat deswegen die Vorschriften für die Eigenkapitalunterlegung bei Banken deutlich verschärft: Bis zum Ende des dritten Quartals diesen Jahres muss die Kernkapitalquote von börsennotierten Kreditinstituten auf mindestens acht Prozent angehoben werden, von privaten Banken sogar auf zehn Prozent.
Nach Einschätzung von Analysten löst diese Vorschrift einen zusätzlichen Kapitalbedarf der Banken von knapp 40 bis schlimmstenfalls 100 Milliarden Euro aus.
Zwar erklärt die Regierung in Madrid sich bereit, Kreditinstituten, die bei der Beschaffung des erforderlichen Eigenkapitals Probleme haben, mit Mitteln aus dem Bankenrettungsfonds Frob zu helfen. Ob dies aber für alle Banken tatsächlich möglich sein wird, beziehungsweise politisch wirklich gewollt ist, kann momentan noch nicht eingeschätzt werden.


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